Pohlschildern 1820 bis 1945

1820 1. Januar: Endgültige Abgrenzung des Kreises Liegnitz und damit Eingliederung von zahlreichen Gemeinde, darunter auch Pohlschildern, aus dem Kreis Lüben in den Kreis Liegnitz
1822 Die Dorfmühle Pohlschildern ist bis zu diesem Jahr im Besitz der Herrschaft und wird betrieben von Christian Gottlieb Hentschel († nach 1839). Ab diesem Jahr gehört sie Johann Georg Jacob, der 1821 aus Aslau (Kreis Bunzlau) nach Pohlschildern kommt und die Mühle erwirbt, deren Besitzer er bis 1847 bleibt.
1829 Am 11. Juni überflutet die Katzbach die Stadt Liegnitz derart, daß das Hochwasser 1,10 Meter hoch an den Straßen um die Frauentürme steht. Die Katzbach steigt insgesamt um 15 Fuß 7 Zoll, zerstört Dämme und Brücken, was die Überflutung ganzer Teile der Liegnitzer Niederstadt zur Folge hat. Von diesem Hochwasser wird eine eiserne Tafel zeugen, die unter dem Chorbogen der Liebfrauenkirche an diesen Wasserstand von 1,10 Meter über dem Kirchhofe erinnert.
1832 Eveline Gräfin von Hardenberg, Besitzerin des Schlosses von Pohlschildern, vermählt sich mit dem Königlich-preußischen Kammerherrn und 5. Erbschenk im Herzogtum Magdeburg, Graf Adelbert vom Hagen auf Möckern. Dieser heiratet nach ihrem Tod Evelines Schwester Aline, beides Töchter von Elisabeth Gräfin von Czettritz.
1838 Johann Georg Jacob, Besitzer der Dorfmühle, wird Gerichtsscholz (bis 1842).
1847 Nach dem Tod des Dorfmühlenbesitzers Jacob wird die Mühle von Ernestine Laufer erworben (weshalb sie in der Folge auch „Laufer-Mühle“ heißt).
1863 9. November: Aline Gräfin von Hagen-Möckern, Erbin des Schlosses von Pohlschildern, heiratet den Königlich-Preußischen Landstallmeister und Offizier im Husarenregiment Goetzen, Woldemar von Oheimb.
1874 1. Januar: Aus der bisher kreisangehörigen Stadtgemeinde Liegnitz wird der Stadtkreis Liegnitz gebildet, der bisherige Kreis Liegnitz erhält deshalb die Bezeichnung Landkreis.
1883 21. Juni: Katzbach-Hochwasser in Liegnitz!
Der höchste Wasserstand wird um 2 Uhr früh mit 120 Meter über Normalnull verzeichnet. Die Sudersche Badeanstalt an der Hinterbleiche ist weggerissen und mit anderem Gebälk gegen die Pfeiler der Nepomukbrücke gedrückt worden, wodurch die Brücke erheblich beschädigt wurde. Den größten Schaden verursacht der Stadt der Mühlgraben, der infolge einer Umflutung des Prinkendorfer Wehres durch die Wassermassen ausuferte und die Luisenstadt bis an den Friedrichsplatz unter Wasser setzte.
Von diesem Hochwasser zeugt seither eine Hochwassermarke am Neuen Schützenhaus, die einen Wasserstand von 76 Zentimeter über dem Erdboden angibt.
1886 Aus dem Liegnitzer Tageblatt:
Am 23. d. Mts. [April] wurde die Leiche der Frau des Zimmermanns F. im Straßengraben am Wege von Merschwitz nach Pohlschildern, mit dem Gesicht im Wasser liegend, aufgefunden. Die Verstorbene litt an Krämpfen und ist wahrscheinlich verunglückt.Am Charfreitage [23.04.], Nachmittags zwischen 3 und 4 Uhr, hat im herrschaftlichen Forste zu Pohlschildern, auf der linken Seite des Weges von Pohlschildern nach Parchwitz, ein Waldbrand stattgefunden, durch welchen ein Fleck von circa 8 Morgen Eichenschälwald, 3-4jähriger Wuchs, mehr oder weniger beschädigt worden ist. Der Brand ist auf fahrlässige Weise durch Schulkinder verursacht worden.
1888 3. August: Katzbach-Hochwasser
Liegnitz selbst kommt diesmal glimpflich weg, denn nur der Hinterhag, die Hinterbleiche und die Katzbachstraße stehen unter Wasser. Größeren Schaden soll die Katzbach nach alten Aufzeichnungen oberhalb von Liegnitz angerichtet haben. Das Metallschild an der Ostseite des Neuen Schützenhauses verzeichnet fortan einen Wasserstand von 63 Zentimetern über dem Erdboden. Ein Höchststand am Katzbachpegel ist jedoch nicht aufgezeichnet worden.
1898 Die Feldmühle brennt mitsamt der Bäckerei ab, wird aber wieder neu aufgebaut.03. Februar: Die Zugstrecke zwischen Liegnitz und Rawitsch (Liegnitz-Rawitscher-Eisenbahn) mit Haltestelle in Pohlschildern wird eröffnet.
1913 Der Wiesnersche Gasthof bekommt einen großen Festsaal mit Parkettfußboden.
1919 Pohlschildern bekommt zu Ehren der Gefallenen des Ersten Weltkrieges ein Denkmal mit den folgenden vierzehn Namen:
Brucke, Wilhelm      Giesmann, Willy       Giesmann, Ernst       Gottschling, Wilhelm
Hartlieb, August       Hartlieb, Gustav       Haake, August         Härtel, Paul
Jakob, Paul              Seidel, Heinrich        Seidel, Wilhelm        Seidel, Alfred
Scholz, Richard        Ulbrich, Hermann     Wiesner, Richard.

17. März: Die Pohlschilderner Schülerschaft besteht aus knapp 70 Schülern aller Klassenstufen. Lehrer Liers lässt sich stolz mit seinen Schützlingen fotografieren.

1921 Der Landkreis Liegnitz hat bei einer Fläche von 621,15 km2 41.008 Einwohner (= 66 Einw./km2), während die Stadt Liegnitz bei einer Fläche von 19,5 km2 75.000 Einwohner (=3846 Einw./km2) hat. Die Einwohner des Landkreises Liegnitz verteilen sich auf 117 Landgemeinden und 88 Gutsbezirke. Der Kreis liegt teilweise im Versorgungsgebiet des Elektrizitätswerks des Provinzialverbandes von Schlesien mit Direktion in Hirschberg, die Hauptversorgung des Kreises mit elektrischer Energie hat das Elektrizitätswerk Liegnitz AG übernommen.
Pohlschildern liegt an der Eisenbahnstrecke Liegnitz-Rawitsch (mit den Stationen Panten, Bienowitz, Pohlschildern und Parchwitz).
Pohlschildern besitzt ebenso wie Bienowitz, Dohnau, Kroitsch, Liegnitz und Parchwitz Mehlmühlen.
Pohlschildern hat ein Rittergut mit Rustikalbesitz, Post-, Telegraphen- und Eisenbahnstation, eigener Fernsprechstelle (F 43). Das katholische Kirchspiel und das Amtsgericht befinden sich in Parchwitz, der Amtsbezirk ist Leschwitz. Standesamt und evangelisches Kirchspiel befinden sich in Bienowitz.
Der Besitzer des Rittergutes ist Bolko von Oheimb, Rittmeister a. D. auf Merschwitz, das Gut ist seit über 200 Jahren in Familienbesitz.
Forstverwalter (mit eigenem Haushalt) ist Otto Gringmuth, Forstaufseher (auch mit eigenem Haushalt) ist Herr Kucza und Inspektor ist, ebenfalls mit eigenem Haushalt, Fritz Döhring.
Das Gut hat eine Fläche von 550 ha, der Besitz besteht aus 214 Äckern, 34 Wiesen, 286 Holzflächen, 6 Wassergebieten, 4 Parks, 2 Gärten, 4 Höfen. Gezüchtet werden schwarzbunte Ostfriesen, angebaut werden Rüben und Obst. Das Gut verfügt über eine große Gärtnerei mit Verkaufsabteilung (GAB 1921, S. 407. 414 und 416).
1922 9. Mai: Doppelhochzeit der Wiesner-Schwestern Hedwig und Elsbeth – Pohlschildern erlebt ein rauschendes Fest. Nach der Hochzeit geht der Wiesnersche Gasthof in den Besitz der frisch vermählten Eheleute Reinhold und Elsbeth Luchs über.
1923 Gemeindevorsteher und Kreisausschussmitglied Karl Schumann vermittelt den Verkauf eines Geländes für einen Fabrikneubau; Arthur Franke aus Liegnitz errichtet eine Pianoforte-Fabrik. Zur Einweihung fährt ein Sonderzug aus Liegnitz über den Gleisanschluss in die Fabrik ein. Danach folgt ein Umzug durch das geschmückte Dorf, mit Herrn Franke und der Gemeindevertretung an der Spitze. Gefeiert wird anschließend in der Gastwirtschaft Grolms. Die neue Fabrik bringt einen deutlichen wirtschaftlichen Aufschwung, Arbeitslosigkeit gibt es in Pohlschildern nicht mehr, im Gegenteil: es müssen sogar Arbeiter aus Liegnitz und Parchwitz beschäftigt werden.
1925 16. Januar (Tollwutsperre): Bei dem vor einigen Tagen erschossenen Hunde ist amtlich die Tollwut festgestellt worden. Amtsaltläst, Stiftsaltläst, Bienowitz, Dahme, Fischerende, Fuchsberg, Heinersdorf, Herrndorf, Jeschendorf, Kleinschildern, Koitz, Kunitz, Leschwitz, Merschwitz, Möttig, Nieder-Heidau, Ober-Heidau, Panten, Parchwitz, Pirl, Pohlschildern, Rogau, Schönborn, Spittelndorf und Überschau sind zum Sperrgebiet erklärt. Das bedeutet, dass sämtliche Hunde, auch nachts fest anzulegen sind, sodass fremde Hunde mit ihnen nicht in Berührung kommen können. Umherlaufende Hunde werden von den Polizeibeamten sofort getötet. Die Sperre dauert bis zum 12. April.

26. Januar (Dreister Schwindel): Bei einer Anzahl Besitzer bot sich ein Fremder zum Aufsetzen von Gesuchen an, die eine Ermäßigung der Steuer herbeiführen sollten. Er erklärte, gute Beziehungen zu haben, die für den Erfolg der Gesuche Gewähr böten. Natürlich forderte er zunächst eine entsprechende „Entschädigung“. Der dreiste Bursche hatte aber kein Glück, es ist niemand auf seinen Schwindel hineingefallen. Gegen Abend wurde er dann festgehalten; da er keine Ausweispapiere hatte, hat man ihn der Polizei übergeben.

18. Februar (Wintervergnügen des Kriegervereins): Der Kriegerverein feierte am Sonnabend [14. Februar] sein Wintervergnügen. In der Begrüßungsansprache gedachte der 1. Vorsitzende der gefallenen Helden. Zwei Theaterstücke wurden flott und gewandt gespielt. Bei frohem Tanz verflogen den zahlreichen Gästen die Stunden allzuschnell.

05. März (Kranbau) Wer Pohlschildern durchfährt, ist erstaunt über ein mächtiges Eisengerüst auf dem Holzhofe des Sägewerks der Firma Franke (Klavierfabrik Liegnitz). Der aus Eisen bestehende Bau sieht fast aus, wie eine auf drei Säulen ruhende Eisenbahnbrücke. Es ist ein Kran, der besonders zum Auf- und Abladen von Langholz dient. Das Ungetüm kann so ziemlich über jeden Punkt des Hofes geführt und die Stämme daher vom Eisenbahnwagen aus auf jede gewünschte Stelle befördert werden. Die Montierung des gewaltigen, elektrisch betriebenen Apparates hat etwa 3 Monate gedauert.

1929 30. September: Im Landkreis Liegnitz findet (entsprechend der Entwicklung im übrigen Preußen) eine Gebietsreform statt, bei der alle bisher selbstständigen Gutsbezirke aufgelöst und benachbarten Landgemeinden zugeteilt werden. Gleichzeitig werden Siedlungsgebiete ausgewiesen, in denen fremde Familien angesiedelt werden. Im Zuge dieser Reform wird auch das Pohlschilderner Rittergut teilweise aufgelöst; das Restgut behält noch 800 Morgen Land, während den in den folgenden Jahren nach Pohlschildern einwandernden Siedler jeweils 80 Morgen Land zugeteilt werden.
1934 Pohlschildern: Der Fabrikbesitzer Artur Franke stirbt.
Haynau: Die Möbelfabrik Pfitzner brennt ab.

Hans Pfitzner kauft die Pohlschilderner Klaviaturfabrik Franke auf und richtet dort eine Möbelfabrik zur Fabrikation von Tischen und Schlafzimmern (Modelle Luise, Liselotte und Zita in verschiedenen Variationen) ein.

1937 19. August: Die sogenannte Schinkenbrücke, die über den Mühlgraben nach den Katzbachwiesen führt, wird abgebrochen und erneuert.

31. Oktober: Bei Familie Luchs findet die Pohlschilderner Kirmes statt

1939
Aus dem Liegnitzer Tageblatt vom 06. Januar 1939:

Schilde für die Liegnitzer Burg
Pohlschildern, Dorf der einstigen Schildmacher / Das Schloß erwartet weiblichen Arbeitsdienst / Aufbau und Fortschritt der Gemeinde
Eigener Bericht des Liegnitzer Tageblattes

Pohlschildern (Kr. Liegnitz), 6. Januar:
Schier undurchdringliches Walddickicht. Nur die Katzbach hatte sich ihren Weg gebahnt. Und an ihren Ufern sammelten sich die Biber und bauten ihre Dämme gleich einer kunstgerechten Vielfalt von Wegen und Durchlässen. Sie gaben dem Fluss den Namen Katzbach = Biberbach nach dem lateinischen castor = der Biber.

Auch der Mensch drang in jene riesigen Wälder vor, über denen noch der Hauch der gewaltigen Schöpfungstat und der erhabenen Unberührtheit lag. Er fällte Bäume, rodete die Stöcke und Wurzeln und schuf Lebensraum und Boden, ihn seinem Lebensdrang dienstbar zu machen. So rückten germanische Menschen

nordöstlich von Liegnitz

in den Heidebereich vor, und noch heute möchte man glauben, diesen Vorstoß in den ehedem gewaltigen Waldbereich abgezeichnet zu erblicken. Der Heidewald greift von Nordosten her mit seinen weiten, weichen Armen um Pohlschildern, jenes Dorf, das, in früher geschichtlicher Zeit gesiedelt, die Heimat der Schildmacher wurde, die ihre Arbeiten: die Schilde für die Liegnitzer Burg fertigten.
Das Gründungsjahr Pohlschilderns wissen wir nicht. Eine

Urkunde aus dem Jahre 1285

kennt die Gemeinde bereits. In diesem Schriftstück ist festgelegt, dass Pohlschildern dem Breslauer Bischof zwölf Vierdunge zinst. Heute ist Pohlschildern ein liebliches Dorf, in dem sich der Schaffenswille fleißiger, zäher Menschen mit der leichten Melancholie der nahen Heide zu einem vollen, schönen Wohlklang eint. Die neue Zeit hat das Gesicht des Dorfes nach starken, bäuerlich gesunden Grundsätzen geformt und ihm anmutige, frische Züge geschenkt. Die Straße ist schmuck und sauber, die Gehöfte sind in Ordnung, und ein jeder müht sich, dem schönen, reinen Dorfbild dienstbar zu sein.

Vor 1933 hatte die Gemeinde 15.000 RM Schulden und Rückstände. Heute dagegen sind Rücklagen vorhanden, die Schulden getilgt und die

finanziellen Verhältnisse in bester Ordnung.

Seit 27. Oktober 1933 ist Bauer Albert Zache Bürgermeister und sorgt mit Eifer für den glücklichen Aufstieg und guten wirtschaftlichen Erfolg Pohlschilderns. Viel ist in den fünf Jahren des Aufbaus getan worden, viel ist für künftige Tage und Jahre geplant. So hat man die Feuerwehr neu eingekleidet, 1934 das Schulhaus erneuert, 1936 auf dem ehemaligen Gutsgelände einen zwei Morgen großen Sportplatz für Schule, Gemeinde und Aufmarsch-zwecke geschaffen. 1935 entschlammte man den Schloß- und Dorfteich. 1937 entstand eine neue hölzerne Brücke über den Mühlgraben, die auf die Wege in die Wiesen führt, die sogenannte Schinkenbrücke.
1935 war bereits das Gut aufgesiedelt worden.

5 Siedlerstellen,

ein Restgut mit dem Schloß und Park und Wald, waren das Ergebnis der Teilung. Zwei Siedlerstellen richteten sich in ehemaligen Wirtschaftsgebäuden ein, drei entstanden neu, und zwar eine vor dem Rittergut, eine am Wege nach Merschwitz und eine unmittelbar vor dem neuen Schießstand und dem Gemeindesportplatz. Den Schießstand hatten im vorigen Jahre die Kameraden der Kriegerkameradschaft in freudiger Gemeinschaftsarbeit errichtet und in einem besonderen Festakt geweiht.

Pohlschildern ist im Aufstieg.

So entspricht auch das Schulhaus nicht mehr den Forderungen. Der holzverarbeitende Betrieb, der die ehemalige Pianofortefabrik erworben hat, ist gut beschäftigt. Für die Gefolgschafts-mitglieder soll in diesem Jahr ein 7-Familien-Haus erstehen. Zweifellos bedeutet das auch wieder Zuwachs für die Schule. Eine neue Schule ist daher der Plan und der Wunsch der Gemeinde. Das bisherige Schulhaus aber wird dann einem anderen dringenden Bedürfnis abhelfen: dem Mangel an einem HJ-Heim. Ebenso bestehen Pläne für eine Badeanstalt. Von Buchwäldchen aus den Kleinreichener Teichen kommt der Floßgraben. Er nimmt gemächlich seinen Weg nach der Katzbach zu, verfängt sich aber noch mitten im Dorf vor dem Schloß, bildet hier den breiten Schloß- und Dorfteich und eilt dann, freudig plätschernd, den Katzbachwiesen zu. Hier, auf gemeindeeigenem Gelände, in Richtung Heidau, ist der Platz für eine Badeanstalt festgelegt, und der Floßgraben wird sie mit seinem klaren Wasser speisen.
Der Schloßteich ließ sich von mächtigen Baumriesen säumen, die das Herrenhaus dem Blick des Vorübergehenden fast verbergen. Nun sie kahl stehen, sehenw ir wie die matte Januar-Sonne über die alten Mauern hinspielt, wie sie die

vornehmen klassischen Linien abtastet und die Konturen des Barockportals zeichnet.

„Gloria sit Deo Patri et Filio et Spiritui Sacto, Amen“ kündet eine Inschrift über dem Portal. („Ehre sei Gott dem Vater und dem Sohne und dem hl. Geist, Amen“) Deutlich durch Größe und Farbe hervortretende Buchstaben weisen die Zahl 1714 als Baujahr aus. Ein von Hohberg baute das Herrenhaus wohl auf dem Grunde und in Ausnutzung einer Ruine, die der Dreißigjährige Krieg von einem alten Schloß der Pannwitze aus dem 14. Jahrhundert übrig gelassen hatte. Zu diesem klassisch schönen Bau gesellte sich ein Barockportal in Sandstein, voll Anmut in seinen Linien und Bogenschwingungen, voll hohem künstlerischem Ausdruck in seinen beiden Basen und gleichsam aufstrebend zum schmucken, stolzen Giebel, der hoheitsvoll herniederblickt. Die Innengewölbe mit ihrer Deckenstruktur sind gewiß noch Zeugen einer älteren Zeit.
Die Freiherr von Czettritzsche Familie erwarb 1743 das Herrenhaus con den Hohbergs und legte den

riesigen, wunderschönen Park

an, der sich noch heute bis zu den Waldungen erstreckt. Im Besitz folgten die Familien von Hardenberg, von Hagen – die Namen wechseln oft, da in der Tochterfolge vererbt – und schließlich von Oheimb, in deren Besitz sich das Schloß noch heute befindet. Pächterin des Restgutes mit einem erfreulich gepflegten und gehegten Viehbestand ist Fräulein Engel.
Das Schloß ist nur in den unteren Räumen bewohnt. Im oberen Stockwerk, das eine stattliche Anzahl Zimmer ausweist, hat in einem Raum eine Pohlschilderner Familie vorübergehend Aufnahme gefunden, die durch das Hochwasser schwer betroffen worden ist. Die Anordnung dieser oberen Zimmer ist so glücklich, daß sie sich für die Unterbringung eines Lagers eignen. Ueber die Kreisbauernschaft ist daher dem weiblichen Arbeitsdienst das Schloß als Lager angeboten worden, und so hofft Pohlschildern, daß bald junges Leben hier einziehen wird, hoffen Pohlschilderns Bauern und Siedler, daß in den Arbeitsmaiden ihrem Tagewerk im neuen Jahr Hilfe kommt.

1940

Aus dem Liegnitzer Tageblatt vom 05. August 1940:

Wohin wandern oder radeln wir?
Pohlschildern-Buchwäldchen-Birkmühle-Kleinreichen-Vorderheide

Es ist ein zwar altbekannter Liegnitzer Ausflug, der hier geschildert werden soll, jedoch kennen ihn viele nicht, obwohl er, wie kaum einen andere Heidewanderung, das Zusammen-klingen von Wasser und Heide so schön erleben läßt, wie die von Pohlschildern nach Vorderheide. Die Radfahrer können sie von Liegnitz aus  unternehmen, indem sie zunächst über Alt-Beckern, Panten und Bienau nach Pohlschildern fahren. Sie können dann auch von Vorderheide über Kuchelberg und Rüstern nach Liegnitz auf dem Stahlroß zurückfahren. Die Fußgänger benützen jedoch bis Pohlschildern die Liegnitz-Rawitscher Eisenbahn, ab Liegnitz Nordbahnhof. In Pohlschildern sieht man sich zunächst das Dorf ein wenig an. Wie Bienau weist es die typische Übergangsstimmung Katzbachniederung-Heide auf. Etwa in der Dorfmitte verlassen wir die Dorfstraße und biegen, am Schloß vorüber, nach Nordwesten ab. Wir wandern nun

am Rande des hervorragend schönen Pohlschilderner Schloßparks

entlang und sind damit an der Stätte des Kreistreffens Liegnitz am 25. Juni 1939. Es war das letzte Kreistreffen vor Kriegsbeginn und die damit verbundenen Vorführungen der Wehrmacht wirkten schon damals wie eine Vorahnung der kommenden Ereignisse. Es war ein sehr schöner Tag, den man nicht vergessen wird. Wer damals im Pohlschilderner Schloßpark war, erlebte damit einen jener so stimmungsvollen alten herrlichen Schloßgärten, die aus der vorhandenen Waldlandschaft heraus geschaffen wurden, indem man so wenige wie möglich veränderte, so gut wie keine Bäume opferte, sondern nur Wege anlegte, die vorhandenen Waldwiesen bestehen ließ und dem damit entstandenen Waldpark nicht mit Blumenrabatten usw. seinen urwüchsigen Charakter nahm. Viele Besucher des Kreistreffens von Pohlschildern wanderten an dem kristallklaren, munter daherplätschernden Heidebach, der den Park durchfließt, ein Stück bachaufwärts in die Heide hinein und nahmen sich vor, bei Gelegenheit noch weiter zu wandern; zumindest bis nach Buchwäldchen, woher dieser Bach kommt. Aber mit dem Worte Buchwäldchen klingt ja zugleich das Lied der vielen glitzernden Heideteiche von Buchwäldchen-Kleinreichen auf und damit erweitert sich der Ausflugsplan ganz von selber bis Vorderheide.

Die Heideteiche von Buchwäldchen

beginnen bereits, bevor man nach Buchwäldchen kommt. Es hängt von dem Orientierungs-vermögen des Wanderers ab, inwieweit er Abstecher von der Landstraße Pohlschildern-Buchwäldchen wagen kann. Solche kleinen Abstecher machen das Wandern aber erst recht ergiebig. Man darf allerdings dabei keinen Flurschaden anrichten und sich nicht zu weit zwischen die Teiche begeben. In Buchwäldchen umfängt uns die Stimmung des Heidedorfes inmitten einer weitreichenden Teichlandschaft. Das Dorf ist größer als Kleinreichen und hat das Zeug dazu, sich in Zukunft zu einer begehrten Liegnitzer Sommerfrische zu entwickeln. Stimmungsvolle Dorfstraßen und Dorfgassen, alte, schöne Bauernhäuser, viele noch im Fachwerkbau, ringsumher ein buntes Blühen bis in den späten Herbst hinein, und ganz nahe beim Dorf, nach zwei Seiten zu, das muntere Leben der zahllosen Wasservögel, die in den Schilfufern der Fischteiche nisten. Seit langem schon ist Buchwäldchen das begehrte Ziel der wandernden Jugend. Wunderschön sind die Sonnenwendfeiern auf dem Kirschberge bei der einstigen Ziegelei. Auch hier waren die Teiche von Buchwäldchen schon wiederholt das Ziel der Liegnitzer Vogelstimmen-Wanderungen, wobei natürlich auch die unmittelbar anschlie-ßenden Kleinreichener Fischteiche besucht wurden. Beide Teichgebiete gehen in einen über und haben dasselbe Gepräge.
Von Buchwäldchen wandert man weiter zu der ganz nahe bei den Teichen an der Straße Schönborn-Mühlrädlitz gelegenen

Birkmühle.

Das ist eine alte Wassermühle, die aber schon lange als Mühle nicht mehr benutzt wird. Ein herrliches Fleckchen in der Heide und Wasser, ein rechter Herrgottswinkel. Wer Zeit und Neigung hat, wird von hier aus außerhalb der Landstraße stimmungsvolle Pfade aufsuchen und das Leben der Teichvögel aus nächster Nähe beobachten. Von der Birkmühle aus geht es dann weiter auf dem eben erwähnten Landweg gegen Mühlrädlitz zu. Er geht mitten zwischen den Teichgebieten von Buchwäldchen und Kleinreichen hindurch. Dann biegt ein Weg nach Nordwesten zu ab, zur Straße Kleinreichen-Mühlrädlitz. Dort hat man damit den Wege-anschluß nach Kleinreichen, das ja den meisten Besuchern unseres Stadtforstes bzw. von Vorderheide-Krummlinde wohlbekannt sein dürfte.
Wir sind also nun schon in nächster Nachbarschaft der

Kleinreichener Teiche.

Nun muß man noch sagen, daß man von der Birkmühle aus diese Teiche auch im Süden umgehen kann, man muß sich dann seine Pfade allerdings selber suchen. Verlaufen kann man sich ja kaum, denn immer wieder grüßen die weißen Giebel und die roten Ziegeldächer von Kleinreichen über die weiten Wasserflächen herüber. Überhaupt sollte man, so muß man auch hier nochmals sagen, in diese Teichgebiete da oder dort Abstecher außerhalb der eigentlichen Landstraße wagen. Sie sind es erst, die uns die eigenartige Stimmung dieser großen Heideteiche ganz erleben lassen. Erst dann kann man das muntere Treiben der Taucher, Möwen, Bläßhühner, Wasserrallen usw. aus nächster Nähe belauschen, dazu die schwebenden Libellen, das Konzert der Frösche, den Storch auf seinem Pirschgang, im Spätsommer die Wildenten usw. Hat man Glück, so stolziert auch ein Fischreiher in unserer Nähe daher. Aber- man muß sich zu alledem Zeit nehmen! Daher ist es auch für den Naturfreund empfehlenswert, diese Wanderung als Tagesausflug zu unternehmen. Für rasches Durchwandern genügt dagegen ein halber Tag.

In Kleinreichen

wollen wir nicht versäumen, uns das Storchnest auf dem hohen Baume, unmittelbar an der Dorfstraße, zu beschauen. Von hier aus ist es dann nicht mehr weit nach Krummlinde-Vorderheide, wobei ja bekanntlich mancherlei Wege zur Verfügung stehen.

1945 26. Januar: Vertreibung der etwa 420 Einwohner starken Pohlschilderner Bevölkerung. Einige bleiben im Ort, um ihren Besitz gegen die herannahende Rote Armee zu verteidigen. Andere halten sich noch auf schlesischem Gebiet auf in der Hoffnung, bald in ihre Dörfer zurückkehren zu können. In der Nacht setzt sich der Flüchtingstreck in Bewegung.

08. Februar: Die letzten Pohlschilderner verlassen das Dorf.

09. Februar: Die Russen marschieren in Liegnitz ein.

13. Februar: Einige der geflüchteten Pohlschilderner erleben die Bombardierung Dresdens.

Im Frühjahr wird das Kreisgebiet durch die Rote Armee besetzt und steht danach unter polnischer Verwaltung.

Juni: Ein Teil der Pohlschilderner Bevölkerung kehrt zurück und lebt unter russischem Kommando und polnischer Verwaltung.

Juli: Die bereits in Verwesung befindlichen Leichen von 13 ermordete Volkssturmleuten werden auf einem Grundstück gefunden und von einigen Helfern auch dort begraben.

August: Die polnische Miliz versucht, die verbliebene bzw. zurückgekehrte Pohlschilderner Bevölkerung zu vertreiben, doch die russische Besatzung, die auf deren Arbeitskraft angewiesen ist, holt die Vertriebenen zurück.

1946 Es beginnt der organisierte Zuzug von Polen, die die besetzten deutschen Gebiete, also auch Pohlschildern, besiedeln sollen. Die verbleibenden Pohlschilderner werden immer massiver zur Ausreise gedrängt; in dem Maße, wie sich die russische Besatzung zurückzieht und die besetzten Gebiete der polnischen Verwaltung überlässt, verschärfen sich auch die Lebensbedingungen der Verbliebenen.
1947 05. Januar: Die letzten deutschen Bewohner verlassen Pohlschildern.
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